ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN

Kommt Ihnen das bekannt vor ......

Die Umstrukturierung im Unternehmen ist abgeschlossen und einige MitarbeiterInnen klagen über das fortwährend stärker ansteigende Arbeitspensum, das kaum mehr zu schaffen sei. So auch Silvia M., die sich vorkommt und fühlt wie ein Hamster im Laufrad, da sie seit längerem mehr an Arbeit zu machen hat. Silvia M. hat regelmäßig mit starken Kopfschmerzen zu kämpfen und abends zuhause ist sie derart erschöpft, dass sie sofort auf ihrer bequemen Wohnecke einschläft. Die Wochenenden an denen sie wieder Kraft schöpfen könnte sich zu erholen reichen ihr nicht mehr aus, sodass sie im Stress verharrt.

Ebenso ergeht es ihren Vorgesetzten, Christian H., der sich überfordert und frustriert fühlt, da er nur mehr von einem Meeting zum anderen hetzt und zzgl. laufend höhere Vorgaben, sei es Umsatzsteigerung, Kosteneffizienz, Marktwachstum, etc. erhält. Täglich werden die Kennzahlen für das Qualitätsmanagement aktualisiert und abgefragt. Außerdem nimmt die administrative Arbeit zu. Zeit für seine KollegInnen hat er so gut wie keine. Anstatt diese zu motivieren, überhäuft er sie mit Arbeitsanweisungen. In der Nacht, die eigentlich zur Erholung des Körpers dienen sollte, wacht er schweißgebadet und mit rasendem Herzklopfen auf. Seine Gedanken drehen sich nur mehr um die Arbeit, da er nicht mehr weiß, wie er all das noch schaffen soll. Christian H. steht kurz vor dem Burnout.

Allerdings gibt es auch MitarbeiterInnen, wie zum Beispiel Christina K., die mit der Umstrukturierung des Unternehmens und den Aufgabenverteilungen zufrieden sind. Nicht, dass sie weniger zu tun hätte als die anderen. Sie hat zweifellos zur Bewältigung ihrer diversen Aufgaben ausreichend genug Gestaltungsfreiraum. Zudem sieht sie in ihren Aufgaben Herausforderungen, anhand derer sie sich gut entwickeln kann. Das Arbeitsklima empfindet sie als äußerst angenehm und die Zusammenarbeit mit ihren KollegInnen bereitet viel Freude. Den Arbeitsdruck nimmt sie gelassen hin. Christina K. ist eine optimistische, gut gelaunte Person, die positiv in die Zukunft blickt und engagiert ihre Arbeit vollbringt.

Worin liegt nun der Unterschied zwischen Silvia M., die unter einem Erschöpfungszustand leidet, ihrem Vorgesetzten, Christian H., der vor einem Burnout steht, und Christina K., die täglich gut gelaunt zur Arbeit kommt und die Aufgaben relativ gelassen erledigt? Seltsam, da doch alle den gleichen Veränderungsprozess erleben und dennoch unterschiedlich auf den vorherrschenden Stress reagieren.

Das "Zauberwort" heißt Resilienz, das den Unterschied ausmacht und Christina K. ausreichend in ihrem Tun Kraft gibt!

Resilienz ist in allen Lebensbereichen - Beruf und Privat - förderlich, obwohl in diesem Artikel nur explizit über den beruflichen Bereich geschrieben wurde.

In diesem Sinne beinhalten meine "ARBEITSSCHWERPUNKTE" auch diese äußerst wichtige Thematik! 


Ein paar Worte zur Resilienz ......

Etymologisch leitet sich das Wort "Resilienz" vom lateinischen Wort resilere - abprallen ab. Zudem kann man es vom englischen Wort resilience herleiten, das übersetzt Spannkraft, Elastizität oder Widerstandskraft bedeutet. Ursprünglich wurde der Begriff Resilienz in den ingenieurwissenschaftlichen Bereichen - Materialwissenschaft und Werkstofftechnik - sowie im naturwissenschaftlichen Gebiet der Physik verwendet. Hierbei charakterisierte Resilienz die Eigenschaft eines Materials, seine ursprüngliche Form nach einer äußeren Belastungseinwirkung wieder zu erlangen.

In der Psychologie meint Resilienz "Die Fähigkeit zur inneren Stärke" - Resiliente Menschen sind bei Anforderungen alternierender Gegebenheiten anpassungsfähiger - eine lebenswichtige Fähigkeit im Angesicht eines steigenden inneren und/oder äußeren Belastungsdruckes.

"Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen". [Welter-Enderling 2006] 

Resilienz ist für Jedermann/frau erlernbar! KlientInnen können für sich sehr viel tun, um zum Beispiel durch Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmtheit, ......, Reflexion und Training ihre Veränderungskompetenz mit Resilienz beruflich und/oder privat zu steigern. Ich meine, dass durch entwickeln der individuellen Resilienz, KlientInnen Fähigkeiten erlangen den unterschiedlichen Herausforderungen die das Leben mit sich bringen, zu trotzen, diese besser zu bewältigen. Soll heißen, sie sind schneller in der Lage, beruflich und/oder schwierige Situationen und widrige Umstände zu meistern, und zwar bevor sie in eine Krise geraten.

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Ein paar Worte zur Krise ......

Was meint der Begriff "Krise" und welchen Zusammenhang gibt es zur "Resilienz"? Nun, was eine Krise ist, ist subjektiv. Es gibt nicht die "klassische" Krise, allerdings gibt es Krisen während des Lebens. Entschärft man das Wort "Krise" indem man einen anderen Blickwinkel einnimmt, man diese nicht unbedingt als Katastrophe ansieht, dann bilden Krisen die "Basis" für persönliches Wachstum, für Entwicklung auf unserem Lebensweg. Und das ist gut so, das ist äußerst wichtig für uns Menschen und unsere persönliche Entwicklung - ehrlich gesagt gäbe es ohne Krisen kein Wachstum, keine Entwicklung, keine Veränderung.

Krisen haben unterschiedliche Auslöser, doch betrachtet man diese genauer ist ihnen eines gemeinsam - sie sind für uns Menschen belastend, stellen ausweglose Situationen dar, so die vorherrschende Meinung. Allerdings, weder die Situation, noch der Stressor und auch nicht die eigentliche Belastung sind entscheiden, sondern unser subjektives Empfinden, "ausgeliefert" zu sein, dies nicht handhaben zu können. Soll heißen, Stress ist nicht gleich Stress! Denn es kommt auf den jeweiligen Blickwinkel an. Demzufolge erleben wir die belastende Lebenssituationen subjektiv völlig unterschiedlich. Was die einen als Katastrophe bezeichnen, berührt andere kaum.

Nun, wenn wir dies genauer hinterfragen, uns die Frage stellen, weswegen das so ist, dann kommen wir zur Thematik der Resilienz!

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Turbulente Arbeitswelten | Gesellschaftlicher Paradigmenwechsel ......

Mittlerweile ist Resilienz ein wichtiger Faktor in der Arbeitswelt, da Menschen, aber auch Organisationen, mehr denn je die Fähigkeit brauchen, um Widersprüche auszuhalten, Rückschläge zu verkraften, dem hohen Arbeitstempo standzuhalten. Gelingt es Menschen diese Fähigkeit zu erlangen, sorgen sie dafür, dass ihre Motivation und Leistungsbereitschaft erhalten bleiben und dabei die Freude an der Arbeit nicht verlieren.

Ein Umbruch in der Arbeitswelt ist weltweit seit Jahren zu erkennen. Wir leben im Informationszeitalter, sodass anhand der gegenwärtigen Technologien Geräte am Markt zum Einsatz kommen, mit denen man 24 Stunden von überall arbeiten kann.

Umstrukturierungen lassen kulturelle Identitäten und Werte schwinden. Reine Ergebnissteuerung tragen dazu bei, dass bekannte Arbeitsstrukturen mehr und mehr verloren gehen. Gewinnstreben und Kostenreduktion verdichten immer mehr die Arbeit, Personal wird reduziert, der Leistungsdruck steigt. Globalisierung macht einen Umdenkprozess erforderlich, weit über die eigenen Grenzen zu denken und zu arbeiten.

Der Unterschied zu früher ist gewiss auf die rasante technologische (Entwicklungs-) Geschwindigkeit, mit der Menschen nicht in adäquater Weise Schritthalten können, zurückzuführen. Soll heißen, vielen Menschen nimmt dies die Luft zum Atmen und lässt ihnen kaum Zeit sich weiterzuentwickeln, sich zu entfalten. Des Weiteren findet ein Paradigmenwechsel in unserer Gesellschaft statt. Was heute zählt ist ein produktiver Umgang mit der Informationsflut, sodass die gewünschten Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort, punktgenau, zur Verfügung stehen.

Der Wandel in der Arbeitswelt bedeutet für die ArbeitnehmerInnen, dass sich insgesamt Veränderungen für ihr eigenes Selbstverständnis von Berufstätigkeit abzeichnen. Somit werden ArbeitnehmerInnen immer mehr zu UnternehmerInnen ihrer eigenen Arbeitskraft. Soll heißen, sie brauchen ein hohes Maß an Resilienz, um anstehende Veränderungen zu bewältigen.

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Veränderung, ja oder nein ......

Dies lässt sich nicht so einfach und schon gar nicht global beantworten. Es bedarf einer gründlichen "Selbstreflexion", sich kritisch mit dieser Thematik auseinander zusetzen, auch unter Zuhilfenahme von ExpertInnen. Wir Menschen unterliegen ständig einer Veränderung, wenn wir es zulassen! Dies ist keine Aufforderung sich mit "MUSS" zu verändern. Allerdings, ...... sich dauerhaft einem "Spannungsfeld" zwischen limitierter "Freiheit", im Sinne von eingeschränkter Handlungsmöglichkeit und dem Wunsch nach Selbstentfaltung auszusetzen, fördert Demotivation und Resignation, und kann auf lange Sicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Wenn Sie unzufrieden mit Ihrer jetzigen Situation sind oder sich, ähnlich wie Silvia M. aus der obigen Geschichte fühlen, sodass Ihre Arbeit, Ihre Situation Sie krank macht, dann seien Sie achtsam mit sich selbst! Nutzen Sie die Chance, Ihre Situation schrittweise "aktiv", in Ihrem Tempo, zu Ihren Gunsten zu gestalten, indem Sie auf Ihre "Resilienz" vertrauen, diese erlernen. Nur Sie haben die Möglichkeit, etwas zu verändern! Beginnen Sie heute noch damit sich etwas Gutes zu tun, es lohnt sich, Ihre Zukunft zu planen!

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